Freie Waldorfschule Hannover-Maschsee bewirbt sich um die Auszeichnung „Umweltschule in Europa / Internationale Agenda 21-Schule“

Wie Schüler ihr Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert schärfen können, damit befasst sich das Projekt „Umweltschule in Europa/internationale Agenda 21-Schule" – eine Ausschreibung der internationalen Stiftung für Umwelterziehung, an der sich weltweit ca. 30.000 Schulen in mehr als 50 Staaten beteiligen.

Auch die Waldorfschule-Maschsee wurde angefragt und hat jetzt – nach Ablauf eines zweijährigen Teilnahmezeitraumes – ihre Bewerbung für die begehrte Auszeichnung offiziell eingereicht. Die Initiative hierfür ging von den RealschülerInnen der Klassen 8-11 aus. Verantwortlich für den Antrag ist Ingeborg Petersen, die sich seit 2005 als Leiterin unterschiedlicher Projekte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung engagiert. „Zusätzlich ist das Thema zentraler Bestandteil unseres Unterrichts in Theorie und Praxis", sagt Ingeborg Petersen. Sie verweist dabei auf den für alle Schülerinnen und Schüler verbindlichen Lehrplan, der schon seit der Gründung der Schule im Jahr 1926 den Nachhaltigkeitsgedanken beinhaltet.

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Die RealschülerInnen setzen den Ansatz der Nachhaltigkeit in den schuleigenen Betrieben von „GANZ REAL" fort, so zum Beispiel in der Fahrradwerkstatt, „in der wir viel über umweltfreundliche Mobilität lernen, aber auch darüber, wie wir Räder pflegen und reparieren können", erläutern Benedikt-Luka und Michael aus der 8. Klasse. Weitere Nachhaltigkeitsprojekte sind der Fair-Trade-Schülerladen und die Kostümkammer: „Damit wir für unsere vielen Theateraufführungen nicht ständig neue Kostüme kaufen müssen, pflegen, verändern und reparieren wir sie – so bleiben die Kostüme viele Jahre erhalten, ohne dass neue Textilien verschwendet würden", berichten die Schüler.

Nachhaltigkeit auch in der Schulküche: Plastik- und Wegwerfgeschirr sind tabu, Gebrauchsartikel mit unnötigen Verpackungen werden vermieden. „Aber auch insgesamt versuchen wir, so wenig Abfall wir nur möglich zu produzieren", sagen die SchülerInnen von „GANZ REAL".

Doch damit nicht genug: „So richtig es ist, dass Umweltschutz vor der eigenen Tür beginnt, so wichtig ist es, zugleich die globale Dimension nachhaltiger Entwicklung für die Schüler erfahrbar zu machen", ist Ingeborg Petersen überzeugt und nimmt Bezug auf zwei Projekte, die den Lebensraum Schule um den Aspekt der internationalen Zusammenarbeit erweitern. So erstellen Benedikt-Luka und Yalin Vogelhäuser, deren Erlös zur Finanzierung einer Schülerreise nach Brasilien, in die Region Mato Grosso, beitragen soll. Dort leben rund 25.000 Indianer in über vierzig unterschiedlichen Stammesverbänden, einer davon ist der Stamm der Bakairi. Der Kontakt ist über eine Altschülerin zustande gekommen, die im Reservat der Bakairi lebt und deren Kultur erforscht. Hier soll eine indianische Schule entstehen, die auch die Unterstützung der Waldorfpädagogik erbeten hat. Nach einem Besuch der ehemaligen Waldorfschülerin mit zwei Angehörigen des Stammes der Bakairi im vergangenen Jahr in Hannover ist für 2016 ein Gegenbesuch geplant, in dessen Rahmen SchülerInnen Entwicklungsarbeit für die geplante Schule leisten werden.

„Für unsere Zukunft wünschen wir uns auch künftig viele solcher Möglichkeiten, denn wir haben durch lokales Handeln in Hannover bereits schöne Fortschritte in weit entfernten Teilen unserer Erde erreichen können", erklären die Realschüler Benedikt-Luka, Michael und Yalin gemeinsam.

Ein weiteres Projekt, das ebenfalls den lokalen Handlungsrahmen verlässt, ist der gemeinnützige Verein „Elagu Elu - Es lebe das Leben", der in der Waldorfschule Hannover-Maschsee als autarker Verband wirkt und aus einem Schülerprojekt hervorgangen ist: Elagu Elu e.V. engagiert sich für Straßen- und Heimkinder in estnischen Tallinn. Ziel ist der Aufbau eines Sozialcamps, in welchem die Kinder ihre Ferien verbringen können. Einige Bauabschnitte sind bereits fertiggestellt; die Planungen gehen aber noch weiter: So soll es unter anderem Ausbildungsstätten für Gartenbau, Hauswirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, eine Holzwerkstatt sowie eine internationale Begegnungsstätte geben.

Insgesamt verfolgt die Waldorfschule Hannover-Maschsee ein facettenreiches Nachhaltigkeitskonzept, „das auf die Lern- und Entwicklungsprozesse der Schülerinnen und Schüler selbst wirkt und somit ein Umweltbewusstsein prägt, das über unser Schulleben wirksam hinausreicht", so Ingeborg Petersen.

Seit ihrer Gründung hat die Schülerfirma „GANZ REAL" zahlreiche Auszeichnungen erhalten, so 2009 die UNESCO-Auszeichnung "Bildung für nachhaltige Entwicklung", 2012 das Qualitätszertifikat für Nachhaltigkeit der Landesschulbehörde und des Niedersächsischen Kultusministeriums zunächst in der Kompetenzstufe „Silber" sowie 2014 in „Gold".

Hintergrund „Umweltschule in Europa / Internationale Agenda 21-Schule"

In Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) Träger des Projektes „Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule", acht Bundesländer sind beteiligt. Im Schuljahr 2013/2014 nahmen ca. 700 Schulen an der Ausschreibung teil, darunter 368 in Niedersachsen. "Umweltschule in Europa" zielt auf die Entwicklung nachhaltig orientierter Schulen. Bei dem Projekt handelt es sich nicht um einen Wettbewerb, alle Schulen können unabhängig von ihrer Ausgangssituation die Auszeichnung erhalten, wenn sie innerhalb einer zweijährigen Projektzeit ein selbstentwickeltes Konzept zur Verbesserung ihrer Umweltverträglichkeit erfolgreich umsetzen konnten.

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