„Spenden haben eine enorme Bedeutung für unsere Schule“

Wenn über Schule gesprochen wird, stehen zumeist die Themen Bildung, Pädagogik, Didaktik im Vordergrund. Eng verknüpft mit diesem Diskurs ist das Thema Finanzen. Detlev Schiewe, seit 13 Jahren Geschäftsführer der Freien Waldorfschule am Maschsee in Hannover sowie Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen/Bremen im Bund der Freien Waldorfschulen, und somit Experte auf dem Gebiet des Kaufmännischen, gibt im Interview Auskunft über Vermögenswerte, Landeszuschüsse, Elternbeiträge – und die Bedeutung von Spenden für unserer Schule.

Herr Schiewe, bevor wir auf die Spendensituation an unserer Schule zu sprechen kommen, geben Sie uns doch bitte einen Überblick, wie sich die Finanzierung der Freien Waldorfschule am Maschsee insgesamt darstellt.
Schiewe: „Im Prinzip ruht die Finanzierung der Schule auf vier Säulen: Staatliche Zuschüsse, Einkünfte aus unserer Vermögensverwaltung, Elternbeiträge und Spenden."


Können Sie das bitte erläutern?
Schiewe: „Die Regelungen der staatlichen Zuschüsse sind komplex. Es würde zu weit führen, sie hier im Detail zu erklären. Nur soviel: Wir erhalten feste Sätze für jeden Schüler. Diese machen den Löwenanteil aus. Diese Gelder sind ausschließlich Zuschüsse zu den Personal-, nicht zu den Sachkosten. Bei letzteren sind wir auf uns gestellt. Aber auch die Personalkosten werden durch die Zuschüsse nicht gedeckt. Das liegt unter anderem an dem besonderen pädagogischen Profil unserer Schule. Wir haben dadurch eine deutlich höhere Unterrichtsversorgung. Denken Sie nur daran, in wie vielen Fächern unsere Klassen in zwei Gruppen geteilt werden, um anspruchsvollen Unterricht zu ermöglichen. Und eines ist in diesem Zusammenhang auch wichtig zu wissen: Die Höhe der Zuschüsse und ihre gesetzliche Ausgestaltung sind Ländersache. Während Berlin und Hamburg gut dastehen, bildet Niedersachsen mit Bremen leider das Schlusslicht."


Wie wird die Lücke in den Personalkosten geschlossen?
Schiewe: „Unter anderem, indem unsere Lehrer auf einen Teil ihrer Gehälter verzichten."


Sie sagten, zum Teil werde der Schulbetrieb aus dem Vermögenshaushalt finanziert? Was genau bildet denn das Schulvermögen?
Schiewe: „Wir vermieten beispielsweise unsere Sporthallen und auch zwei Wohnungen auf dem Gelände, eine davon ist die des Hausmeisters. Oder nehmen Sie den Kindergarten. Das Gelände gehört uns. Da haben wir Pacht- und Mieteinnahmen."


Und was fällt unter Sachkosten?
Schiewe: „Das sind die Kosten, die in der Verwaltung anfallen, in der Schulküche, im Hort, der Bücherei, der Hausmeisterei, der Bühnenbetreuung und vieles mehr. Des Weiteren gehört die Gebäudepflege und -instandhaltung dazu – denken Sie nur an die umfangreichen Sanierungsarbeiten, die zurzeit auf unserem Gelände stattfinden – sowie die Unterrichtsmaterialien. Die Sachkosten sind es, die wir aus den Elternbeiträgen finanzieren."


Kommen wir zur vierten Säule. Wie wichtig sind Spenden für unsere Schule und wie sieht es mit der Spendenbereitschaft aus?
Schiewe: „Spenden haben eine enorme Bedeutung für unsere Schule. Leider ist die Spendenbereitschaft insgesamt gesellschaftlich gesunken. Die Zeiten von Mäzenen, die mal eben 50.000 oder 100.000 Euro spenden, sind vorbei. Dass unsere Schule trotzdem verhältnismäßig gut dasteht, hat etwas damit zu tun, dass wir seit Jahren an diesem Thema arbeiten – strukturell und konsequent."


Wie meinen Sie das?
Schiewe: „Wir haben ein Spendenmanagement aufgebaut. Das bedeutet, dass wir uns aktiv, kontinuierlich und kreativ um diese Thema kümmern und es – soweit möglich – nicht einfach dem Zufall überlassen, ob Spenden eingehen oder nicht."


Woraus besteht diese Spendenstruktur?
Schiewe: „Es ist ein Dreiklang aus Dauer- und Patenschaftsspenden, den Erlösen aus dem Weihnachtsbasar sowie Einzelspenden – vor allem bei letzteren ist ein geordnetes Spendenmanagement sinnvoll."


Was heißt geordnet?
Schiewe: „Es gilt zu verhindern, dass potenzielle Spender doppelt und dreifach angeschrieben oder angesprochen werden. So sehr wir das Engagement von Einzelpersonen, von Eltern und Klassen, Spenden einzuwerben, schätzen und brauchen, so wichtig ist es, den Überblick zu behalten und geordnet vorzugehen. Die Spender müssen mitgenommen, die Beziehungen zu ihnen gepflegt werden. Es sollten Dankesbriefe geschrieben werden. Vielleicht fügt man diesen Briefen ein Foto von den Dingen an, die für das Geld angeschafft wurden? Es geht darum, Projekte gezielt zu bewerben. Da ist es gut, wenn sich jemand zuständig fühlt und weiß, an wen man sich wenden kann. Altschüler, Unternehmen oder Stiftungen? Es hilft, sich in der Spenden- und Stiftungslandschaft auszukennen. An unserer Schule gibt es dafür die Chis-Lowdon-Stiftung. Hier engagieren sich Menschen, die zu wahren Spendenexperten geworden sind. Wer spenden will oder jemanden kennt, wendet sich daher am besten an die Chris-Lowdon-Stiftung".


Und wie sieht es in dem Bereich der Dauerspenden aus?
Schiewe: „Verbesserungswürdig. Wir müssten in diesem Bereich über 50.000 bis 60.000 Euro jährlich verfügen. Tatsächlich sind es aber nur etwa 30.000 Euro. Es gab mal Zeiten, da lagen wir bei rund 70.000 Euro an Dauerspenden. Das hätte ich natürlich gern wieder. (lacht)


Dauerspenden werden auch als Patenschaftsspenden bezeichnet. Warum?
Schiewe: „Weil über diese Spenden, Schüler finanziert werden, deren Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können. Die Spender übernehmen also eine Art Patenschaft. Dauerspenden müssen aber nicht zwangsläufig in der Höhe des Schulgeldes liegen. Sie bewegen sich in dem Bereich zwischen 10 und 300 Euro. Manche Eltern rund das Schulgeld einfach ein wenig auf. Besonders gut klappte das zu Zeiten von Herrn Grothe. Er war Vater an unserer Schule und hat jedes Erstklässler -Elternhaus persönlich besucht, um das Patenspendensystem vorzustellen. Er hat wohl den richtigen Ton getroffen. Viele Eltern haben sich damals dafür entschieden, Dauerspender zu werden. So einen Herrn Grothe könnte unsere Schule wieder gut gebrauchen..."


Wichtig sind für die Schule auch die Erlöse aus dem alljährlichen Weihnachtsbasar...
Schiewe: „Ja, der Weihnachtsbasar ist eine reine Elterninitiative. Die Eltern machen sich da wirklich sehr verdient. Es kommen jährlich 20.000 bis 30.000 Euro zusammen. Doch auch die Entwicklung des Weihnachtsbasars müssen wir im Auge behalten. Wir sollten nicht zu viele kommerzielle Anbieter haben. Sie führen nur 20 Prozent ihrer Gewinne an unsere Schule ab. Es dürfen also nicht zu viele werden. Alle Erlöse der Angebote, die wir aus uns selbst heraus schaffen, kommen der Schule zu 100 Prozent zugute – und sie machen meines Erachtens auch den Charme des Basars aus."


Basteln, Kochen, Backen, Verkauf, Organisation, Auf- und Abbau: Der Weihnachtsbasar ist ein gutes Beispiel dafür, dass es ohne das Engagement des Einzelnen nicht geht. Nun ist die Belastung in den Familien nicht weniger geworden, die Arbeitsdichte hat zugenommen. Ist das zu spüren?
Schiewe: „Ja, sicher. Nicht wenige Eltern sind am Limit. Man muss da Verständnis aufbringen. Nehmen Sie berufstätige Alleinerziehende. Wo sollen sie die Zeit und Energie für ausgiebiges Schulengagement hernehmen? Andere aber sind in der Lage sich einzubringen – zeitlich wie finanziell. Dieser Ausgleich ist für mich auch ein Ausdruck gelebter Solidarität.

Interview: Julia Pennigsdorf (E)

Wo und wie kann ich spenden?
Wer spenden möchte, findet auf folgenden Internetseiten weitere Informationen:
http://www.stiftung-waldorfschule-maschsee.de/
http://fenster-spendenaktion.waldorfschule-maschsee.de/

Zusätzliche Informationen