Smartphones sind allgegenwärtig. Wie aber wollen wir an unserer Schule damit umgehen? Welche Haltung haben wir? Auf welche Prinzipien können wir uns einigen? Lehrer, Schüler und Eltern haben ein verbindliches Regelwerk erarbeitet, das sich in der Praxis bewährt. Doch bis dahin war ein langer Prozess.

Man stelle sich eine Gruppe junger Menschen vor – in Bus oder Bahn, beim Bummel durch die City, auf einer Wiese im Park, in einem Café ... Was wird in diesem Bild nicht fehlen? Das Handy. Ob Musik hören, chatten, Facebook durchstöbern, spielen, Videos schauen, im Internet surfen, lesen, Nachrichten schreiben, telefonieren – die Möglichkeiten internetfähiger Smartphones sind vielfältig, die Welt, die sie bieten, schier unendlich. Jugendliche tauchen in nahezu jeder Lebenssituation in diese Welt ein. Und die Smartphonenutzer werden immer jünger. Längst haben auch viele Grundschulkinder Hochleistung-Handys in ihren Jackentaschen und Ranzen.

Wie wollen wir an unsere Schule, in unserem Schulleben mit dem Thema Handy umgehen? Das war die Ausgangsfrage, die sich Lehrer, Erzieher, Schüler und Eltern schon vor Jahren stellten. Und die Frage gewinnt mit der zunehmenden technischen Weiterentwicklung der Mobilgeräte und dem sich verändernden Medienkonsumverhalten von Kindern und Jugendlichen weiter an Gewicht.

Dabei geht es keineswegs nur um rein pädagogische Betrachtungen oder die Frage, was mit Handys während der Unterrichtszeit zu geschehen hat, sondern vielmehr um eine grundsätzliche Verständigung. Für unsere Schule, unser Schulleben, unser Schulgelände lautet der in etlichen Gesamt- und Oberstufenkonferenzen erzielte Konsens: Wir wollen uns in der Freien Waldorfschule am Maschsee weiterhin aufmerksam begegnen und kommunizieren, ohne dass Handys uns stören und ablenken. Konkret heißt das: Mobiltelefone bleiben ausgeschaltet tief in Ranzen und Tasche verstaut und damit im Schulleben unsichtbar.

Ausnahme: Wer telefonieren muss, kann dies am Haupteingang bei den Bänken unter den Eichen tun. Lehrer Peter Krone erläutert die Gründe für die strikte Regelung: „Handys verändern die Kommunikation. Sie bewirken, dass ich nicht im Hier und Jetzt bin, sondern mich ständig in einer Parallelwelt befinde. Ob ich nun spiele oder chatte – in jedem Fall wird meine Aufmerksamkeit von der Augenblicksituation weggezogen“, sagt er und ergänzt: „Das ist unserer Überzeugung nach nicht gesund. Dazu kommt: Wir setzen als Waldorfpädagogen ja gerade ganz besonders darauf, dass sich das im Unterricht Erlernte über den Tag und auch nachts setzt, festigt, entwickelt. Ständige neue Impulse, Fremdeinflüsse und Ablenkung sind da kontraproduktiv.“

Die Einstellung in den Elternhäusern sei verschieden, so die Beobachtung von Inken Bergner (Mutter). „Das reicht von der Haltung, internetfähige Handys gehörten heute nun mal zum Alltag und man solle nicht so viel Theater darum machen, wenn ein Kind das Handy mal in der Pause oder Freistunde benutze, bis hin zu Sorgen vor Elektrosmog.“ Der Grundkonsens aber, dass man die Benutzung von Handys in der Schule nicht einfach frei laufen lassen sollte, sei schnell erzielt worden.

Dem schlossen sich auch die Oberstufenschüler an. Sie übernahmen trotz ihres durchaus vorhandenen Eigeninteresses, Handys nutzen zu dürfen, Verantwortung, stellten sich ihrer Vorbildrolle jüngeren Schülern gegenüber und machten in der Smartphone-Diskussion deutlich, dass auch sie es gut fänden, wenn Handys aus dem Schulalltag verschwänden. „Wenn man Grundschüler sieht, die zusammen im Bus sitzen und ohne miteinander zu reden nur auf ihre Handys starren, oder wenn man daran denkt, was da so an Nachrichten und Bildern im Netz unterwegs sind, mit denen man in dem Alter noch gar nicht umgehen kann, das macht schon betroffen“, bringt 12-Klässler Thilo Bergner die Ansicht vieler älterer Schüler auf den Punkt.

Ziel der Debatten um die Handynutzung an unsere Schule war es eine klare Regelung, verbindliche Regelung zu treffen. Das ist gelungen. Wer sich nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen. „Ohne geht es nicht“, sind sich Lehrer, Schüler, Eltern einig:

Handys, die auf den Schulgelände herausgeholt und benutzt werden, werden sofort eingesammelt. Wer dreimal mit dem Handy erwischt wird, bekommt eine Abmahnung. Wer sich weigert, es abzugeben, ebenfalls. Doch es geht es nicht nur darum, klare Kante zu zeigen, sondern auch um einen differenzierten und konstruktiven Ansatz, der zwischen Erstklässler und Abiturient, zwischen Mittelstufenschüler und Lehrer unterscheidet und das Handy an sich nicht verteufelt. Und auch das ist gelungen. So gibt es Ausnahmen vom Handyverbot: Oberstufenschüler dürfen in ihrem Aufenthaltsraum, Verwaltungsmitarbeiter in ihren Büros und Lehrer im Lehrerzimmer ihre Handys benutzen. Regelung

 

So jedenfalls sieht es bisher aus. „Im Oberstufenraum werden die Mobiltelefone intensiver und vor allem anders genutzt als wir angenommen haben“, deutet Inken Bergner an. Ein Umstand, der besprochen werden müsse. Als Rückschlag empfindet das niemand. „Die ganze Handydebatte hat unsere Schule schon jetzt viel gebracht. Es ist halt ein Prozess, der uns weiter begleitet“, sagt Peter Krone. Und er hat noch einen Wunsch: „Wir Erwachsenen fungieren als Vorbild für Kinder und Jugendliche. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass sich alle, die sich auf unserem Schulgelände bewegen an unsere Medienordnung halten. Wir sind eine handyfreie Schule. Das gilt für Eltern und Großeltern, die ihre Kinder und Enkelkinder nur kurz Abholen wollen, ebenso wie für Gäste unsere öffentlichen Veranstaltungen in Aula und Gartensaal, Teilnehmer von Sportveranstaltungen und so weiter“, betont Peter Krone und ergänzt: „Das ist leider nicht allen bewusst und ich erlebe es immer wieder, dass so mancher, den wir bitten, das Handy wegzustecken, auch noch patzig reagiert. Es ist wichtig, dass wir uns alle an die Regeln halten.“ Nur dann können auch die Gäste der Schule erleben, was Lehrer und Schüler der Freien Waldorfschule am Maschsee inzwischen zu schätzen wissen und dass der 18-jährige Thilo so formuliert: „Es ist einfach angenehm, eine Zeit ganz ohne Handy zu haben.“

Julia Pennigsdorf (E)

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