Schüleraustausch mit Waldorfschulen weltweit. Sprachkenntnisse verbessern – andere Länder und Kulturen kennenlernen – neue Freunde finden: Ein Schüleraustausch kann vieles mit sich bringen, eine bereichernde Erfahrung ist es allemal. An der Waldorfschule Hannover-Maschsee gibt es die Möglichkeit, einige Zeit an einer Schule im Ausland zu verbringen.

„Viele unserer Schülerinnen und Schüler haben die Chance genutzt und sind begeistert von ihrem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt, im letzten Jahr zum Beispiel aus Südafrika, Thailand, Australien, den USA, England, Schottland und Irland“, berichtet Christiane Berger, Englischlehrerin und Ansprechpartnerin an unserer Schule für den internationalen Schüleraustausch. „Den meisten geht es vor allem darum, die Sprache des Ziellandes zu lernen oder zu verbessern“, berichtet Christiane Berger. „Aus meiner Sicht aber mindestens genauso wichtig ist der soziale Gewinn: Wer sich in einem fremden Land in einer zunächst unbekannten Gastfamilie zurechtfinden muss, stärkt seine sozialen und interkulturellen Kompetenzen, wird selbständiger und kehrt mit vielen Erlebnissen und Eindrücken zurück, die häufig ein Leben lang in Erinnerung bleiben.“

Austauschbörse Wal-di.com

Austauschbörsen gibt es viele – zu unterschiedlichen Konditionen und für unterschiedlich große Geldbeutel. Neu und besonders attraktiv ist die Plattform „wal-di.com“, eine Internetseite, die sich speziell an Waldorfschüler – und schulen richtet. Unsere Schule ist dort bereits seit zwei Jahren Mitglied. Jetzt hoffen wir darauf, dass das Angebot weiter Fahrt aufnimmt“, sagt Frau Berger. Da diese Plattform kein kommerzielles Angebot ist, sondern auf einer Elterninitiative gründet, liegen die Preise für einen Austausch deutlich unter denen, von anderen Anbietern. „Zur Grundidee gehört auch, dass man nicht nur sein Kind in die Ferne schickt, sondern auch selber hier in Hannover als Gastfamilie bereitsteht. Das erhöht auch die Chancen der Vermittlung, ein Muss ist das aber nicht“, sagt Berger. Der Vorteil dieser waldorfspezifischen Austauschbörse ist ein vertrautes (Waldorf-)Umfeld, auf das man im jeweiligen Gastland stößt.

Wer Interesse an einem Austausch hat, meldet sich auf der Plattform "www.wal-di.com" an und kann sich dann eine Schule an seinem Wunschziel auswählen – und zugleich angeben, ob man auch selber hier in Hannover jemanden aufnehmen möchte. Dann heißt es erstmal warten: bis sich auf der anderen Seite ein Angebot ergibt.

Welcher Zeitpunkt bietet sich an für einen Austausch?

Wichtig ist eine langfristige Planung, mindestens ein halbes Jahr vor Reisebeginn sollte man mit der Suche nach einem Land und einer passenden Schule starten. „Ideal ist ein Auslandsaufenthalt in einer Gastfamilie in der zweiten Hälfte der 10. oder Anfang der 11. Klasse in Absprache mit den Klassenbetreuerinnen und -betreuern. Dann kann man – je nach Länge des Aufenthaltes – bei der Rückkehr in seine bisherige Klasse zurück“, sagt Christiane Berger. In der Regel dauern die Auslandsaufenthalte zwischen zwei Monaten und einem Jahr. Aber auch drei oder vier Wochen sind möglich.

Wer erstmal ohne eigene Reiseambitionen Kontakt ins Ausland aufnehmen möchte, kann auch mit einer Brieffreundschaft beginnen. Über den Austausch per Brief – oder heutzutage eher per E-Mail – können auch echte Freundschaften entstehen.

Ansprechpartnerin Christiane Berger steht gerne für Fragen und Unterstützung bereit:
berger(at)waldorfschule-maschsee(punkt)de

 

„Ich habe Dinge neu wertschätzen gelernt“

Interview mit Marie, die als Schülerin 2016/2017 zehn Monate in Thailand gelebt hat

Es muss nicht immer Großbritannien, Irland, Frankreich oder die USA sein. Wer für einige Zeit ins Ausland gehen will, kann sich auch für einen Schüleraustausch in Afrika oder Asien bewerben. Marie, die heute in die 12. Klasse der Waldorfschule am Maschsee geht, hat genau das getan: „Englisch kann ich auch noch später lernen“, sagte sie sich spontan, als sie mit der Organisation Experimente e. V. den Platz in England fast schon sicher hatte. „Ich möchte doch lieber etwas komplett anderes, eine ganz neue Kultur kennenlernen, ein Land, das ich noch gar nicht kenne.“ Am Ende der 11. Klasse entschied sie sich, für zehn Monate nach Thailand zu gehen, nach Chon Buri, etwa 70 Kilometer östlich von Bangkok.

Was hat dich an Thailand besonders gereizt?
„Ich wusste fast nichts über das Land und ich hatte bei meiner Suche nach einem Ort für mein Auslandsjahr ein Foto aus Thailand gesehen, was mich einfach neugierig gemacht hatte.

War das Leben in einem Land, dessen Sprache du nicht kanntest, nicht schwierig?
Anfangs konnte ich mich natürlich nur auf englisch verständigen, da ich die Landessprache Thai – die auch eine ganz eigene Schrift hat – erst im Laufe des Aufenthaltes lernte. Glücklicherweise war meine Gastmutter Englischlehrerin, das hat in der ersten Zeit viel geholfen, weil sie mir alles auf englisch erklären konnte. Aber die Menschen dort sind allgemein sehr nett und freundlich ihren Mitmenschen gegenüber, sie mögen es harmonisch. Kritik oder Streit wird eher ausgeblendet, das gibt es nicht, zumindest nicht öffentlich. Das macht das Zusammenleben zunächst sehr einfach. Deshalb war das Eingewöhnen kein Problem.

Wie sah dein Alltag dort aus?
Vieles war anders, als ich es aus Deutschland kannte. Mit 4.000 Schülerinnen und Schülern galt meine Schule dort noch als relativ kleine Schule. Schuluniform war Pflicht und jeder Morgen begann mit einem Fahnenappell der gesamten Schülerschaft, bei dem alle gemeinsam die Königliche Hymne 'Phleng Chat Thai' singen. Der Unterricht ging jeden Tag von 7.30 Uhr bis 17 Uhr, von der ersten Klasse an – was ich für die jüngeren Schüler schon hart fand. Eigentlich lebt man fast in der Schule, weil man dort lernt, isst und sich auch für Verabredungen dort trifft.

Interview zum Schüleraustausch

Wie war das Verhältnis von Lehrern und Schülern?
Es herrscht ein sehr respektvoller und höflicher Umgang miteinander. Verbeugungen gegenüber älteren Menschen sind sehr üblich, auch gegenüber Fremden, die man auf der Straße trifft. Das war anfangs schon etwas ungewohnt. Und weil ich eine der ersten europäischen Schülerin an der Schule überhaupt war, traute sich anfangs auch niemand, mich anzusprechen, weil jeder Angst hatte, etwas falsch zu machen und sein Gesicht zu verlieren. Also musste ich viel Eigeninitiative zeigen, auf die anderen zugehen und mich mit Händen und Füßen verständlich machen, um überhaupt Kontakt aufzunehmen. Dann waren aber die meisten sehr offen und auch interessiert, woher ich komme und wie das Schulleben in Deutschland aussieht.

Was hast du in Thailand vermisst?
Graubrot mit Käse und Salat und Tomaten. Dort wird fast ausschließlich warm gegessen, es gibt viel Reis und Gemüse oder mal eine Suppe, auch zum Frühstück. Thailändisches Essen ist sehr lecker, aber das deutsche Brot fehlte mir manchmal doch.

Was empfiehlst du anderen Schülerinnen, die für einige Zeit ins Ausland gehen wollen?
Macht es einfach! Das kann jeder schaffen! Alle, die ich kenne, die ins Ausland gegangen sind, sind über sich selbst hinausgewachsen: Wenn man außerhalb seiner gewohnten Umgebung plötzlich auf sich selbst gestellt ist, entwickelt man ganz neue Fähigkeiten. Und andere Menschen, ihren Alltag, ihre Kultur und ihr Land kennenzulernen, ist einfach toll. Dadurch erweitert sich auch der Blick auf das eigene Leben hier in Deutschland. Ich habe dadurch Dinge wertschätzen gelernt, die ich vorher als selbstverständlich hingenommen hatte.

Hier Erfahrungsbericht von Leon Kindler herunterladen!

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