Seit vielen Jahren schon wird immer mal wieder diskutiert, ob es nicht schön wäre, wenn wir, ähnlich wie in Bothfeld und an vielen anderen Waldorfschulen, eine eigene Buchhandlung hätten. Mit ausgesuchtem Literaturangebot für unsere Eltern und Schüler. Die Überlegungen gehen sehr weit zurück: erst kürzlich bin ich auf einen SchulZeit-Artikel aus 1995 gestoßen, in dem eine Initiative diesen Wunsch schon einmal ausführlich beschrieben hat. Aber ein konkreter Impuls ist bisher nicht entstanden.

Im Dezember 2012 – kurz vor Weihnachten – haben wir über einen Schulvater erfahren, dass die Morgenstern Buchhandlung – die letzte anthroposophische Buchhandlung in Hannover – zum 31. März 2013 aufgeben wird. Ich habe zunächst einmal gerechnet, ob man nicht vielleicht Dritte davon überzeugen könnte, diesen „Schatz" für Hannover zu erhalten. Vor dem Hintergrund der großen Buchhandlungen und der „Internet-Kauflust" unserer Gesellschaft musste man diese Überlegungen schnell vergessen.

Für die Schule würde es allerdings ganz anders aussehen!
Weniger Öffnungszeit (900 statt 1.600 Stunden im Jahr), Kosten für die Verwaltung würden – zumindest ausgabenwirksam – nicht anfallen. So ist aus den langjährigen Gedanken ein Konzept entstanden und ein Impuls geboren. Das Konzept wurde zunächst im Vorstand beraten und dann den alten Gesellschaftern vorgestellt. Als beide Gremien ein positives Signal gesendet haben, hat die Lehrerkonferenz dem „Projekt Morgenstern" zugestimmt.

Im Innern der neuen Morgenstern Buchhandlung

Jetzt musste es schnell an die Umsetzung gehen, denn bis zum 31. März war nicht mehr viel Zeit. Das Datum stand fest, weil die Geschäftsräume gekündigt waren, und weil es keine, auch nicht übergangsweise, Schließung geben sollte. Es musste ein Standort gefunden werden. An einen Neubau, z.B. auf der Wiese neben der Naturwerkstatt, durfte im Versuchsstadium nicht gedacht werden. Also musste ein vorhandener Bereich an einer gut erreichbaren Stelle gefunden werden – das war nur rund um den Schulhof möglich. Der Aula-Vorraum stand zur Diskussion, mit einem Ausgang auf den Schulhof, ein kleiner Eurythmieraum neben der Aula, die Eingangshalle im Altbau war lange im Gespräch, das Physik-Praktikum im EG/Müllerbau mit Zugang von außen und die Lehrerbibliothek.
Die Entscheidung fiel auf die Lehrerbibliothek, vorausgesetzt, dass ein Ersatz gefunden wird. Das setzt an einer so großen Schule viele Raumverschiebungen in Gang.
Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an unsere Lehrer, an unseren Raumkreis, an Henning Stricks – unserem Hausmeister, der zusammen mit Herrn Majczak und vielen Schülern fast unglaubliches geleistet hat, und nicht zuletzt an meine Frau, die das Projekt im Auftrag des Vorstandes „zum Laufen" bringen sollte.
Ein ganz großer Dank geht natürlich auch an die ehemalige „Chefin" der Buchhandlung-Morgenstern, an Frau Sältzer, die sich sofort nach unserer Anfrage bereit erklärt hat, den Neuanfang der Buchhandlung zu begleiten – natürlich ehrenamtlich.

Die Chronik der Morgenstern Buchhandlung im Zeitraffer

Die Morgenstern Buchhandlung wurde am 19. Oktober 1971 als Morgenstern Bücherstube auf Initiative von Herrn Kröner von fünf Gesellschaftern gegründet. Im Laufe der Jahre hat sich dieser Kreis häufiger verändert. Im ersten vollen Geschäftsjahr – 1972 – wurden 66.000 DEM Umsatz erreicht. Seit 1974 war die Umsatzgröße für eine Zusammenarbeit mit LIBRI erreicht. LIBRI ist der Garant für gute Einkaufskonditionen und einem „über Nacht" Lieferservice.

  • Bis 1979 war die Buchhandlung nur nachmittags geöffnet – außer am Dienstag, da war Markttag und auch am Vormittag auf.
  • 1981 kam Frau Sältzer, die sich schnell zu der „guten Seele" des Ladens entwickelt hat.
  • 1982 wurde eine Filiale in Bremen eröffnet.
  • Den Höhepunkt der Verkaufstätigkeit hat die Morgensternbuchhandlung mit 870.000 DEM erreicht. Damals waren drei Mitarbeiterinnen im Laden Hannover und mit der gleichen Anzahl in Bremen tätig.
  • 1993 kam Herr Stange ins Team, der sich fortan um die Zahlen gekümmert hat.
  • 1993 begann aber auch die Zeit der Umsatzrückgänge und es folgte die Trennung von den Bremern.
  • Nicht zuletzt durch die Verbreitung des Internets ist der Umsatz bis heute auf unter 90.000 € geschmolzen. Zuletzt waren alle Mitarbeiter/innen nur noch ehrenamtlich tätig.
  • 2012 fiel die Entscheidung, die Buchhandlung endgültig zu schließen.

Ich glaube, dass der Standortwechsel auf unser Schulgelände diesen Rückwärtstrend aufhalten kann. Wenn es uns gelingt, unsere Eltern und Schüler vom Computer weg in unseren Laden zu locken, und alle Schulbestellungen über unsere Buchhandlung abzuwickeln, können wir uns auf eine Umsatzgröße von 120.000 € entwickeln. Mit diesem Betrag wären die Personalkosten gedeckt. In den ersten Wochen – bis zu den Sommerferien – wurde die Buchhandlung von Frau Sältzer und meiner Frau geführt. Seit den Sommerferien haben wir eine ausgebildete Buchhändlerin fest angestellt.
Wenn Sie alle unsere Buchhandlung in ihr Herz schließen, kann das Projekt gelingen.

Detlev Schiewe, Vorstand/Geschäftsführer

Wachsmalstifte in der Morgenstern Buchhandlung

Hier geht es zur Website der Morgensternbuchhandlung

Zusätzliche Informationen