Steil geht es hinter der unscheinbaren blauen Tür neben der Bühne die Treppe hoch. Gleich an der Ecke stecken etwa 50 Schwerter, Zepter und Sterne in einer Kiste, darüber stapeln sich Schuhkartons beschriftet mit „Frosch", „Küken" oder „Esel". Bunte Kittel quetschen sich auf nicht enden wollenden Kleiderstangen. Weiter hinten 4 Meter Herren-Oberhemden, 3 Meter Damenblusen, dazwischen Dosen mit Knöpfen, Quasten, Spitze, Tüll und überall Schuhe: Militärstiefel, Plateauschuhe, Römersandalen. Größe 49 steht auf einem etwas zerbeulten schwarzen Herrenschuh. „Wir brauchen alle Größen, unsere 12. Klässler leben nunmal auf großem Fuß", erklärt Esther von Witzleben-Heuer. Sie ist Handarbeitslehrerin im Ruhestand, und wacht gemeinsam mit ihren Fachkolleginnen über die schuleigene Kostümkammer – einem Fundus von stattlicher Größe. Jede Bühnenaufführung an der Schule wird daraus bestückt: alle Klassenspiele der 8. und 12. Jahrgänge, Monatsfeiern, Eurythmieabschlüsse, insgesamt sind es 6 große und einige kleine Bühnenstücke jedes Jahr. Sämtliche Kostüme dafür werden von den Handarbeitslehrerinnen genäht, angepasst und gepflegt.

Der richtige Stil

Wie auf einem Schnürboden führt eine Holzstiege noch eine Etage höher ins Reich der Mode: Ball- Bauern- oder Brautkleider beinahe aus jedem Jahrhundert und aus aller Herren Länder, und zu jedem der passende Hut. Kardinal, chinesische Hofdame und sogar Dinosaurier: die Kostümkammer erfüllt fast jeden Wunsch. „Ich seh doof aus, fällt Ihnen was dazu ein", ruft Magdalena aus der 12a. Sie soll einen Hecht darstellen beim Eurythmieabschluss, aber es fehlt ihr eine Idee für die Kopfbedeckung. Esther von Witzleben-Heuer zaubert eine exotische grüne strassbestickte Kappe hervor, dreht sie auf links und fertig ist der Fischkopf.
„Man muss kreativ sein", erklärt die gelernte Kostümbildnerin, „und man muss die Details beachten". Nicht alle Kostüme sind vorgefertigt. Viele entstehen erst. Dazu haben die Lehrerinnen sogenannte Grundkleider in den verschiedensten Farben angefertigt. Je nach Bühnenstück, Zeit und Mode werden diese mit Kragen, Bändern oder Rüschen dekoriert.

Die Anprobe 

Für die Lehrerinnen beginnt die Arbeit am Stück lange vor der Aufführung. Zunächst lesen sie sich ein, besprechen sich mit dem Regisseur und erfahren welcher Schüler welche Rolle spielt. Für jeden einzelnen überlegen sie, wie das Kostüm aussehen könnte. Fünf Wochen vor der Premiere gibt es eine Anprobe, erste Vorschläge, dann wird immer wieder anprobiert, mit den Schülern diskutiert, gekürzt, gesäumt, gekräuselt oder nochmal ganz getauscht. Es ist ein Prozess, bis Rolle und Maske stimmig sind. „Für die Schüler ist die Arbeit am Kostüm enorm wichtig", erklärt sie „die Verkleidung macht es ihnen ja oft erst möglich in die Rolle zu schlüpfen, sie wirklich zu spielen". Und mancher Junge lernt bei ihr dann noch ganz nebenbei einen Schlips zu binden, und „dass es Hosen gibt, die mit einem Gürtel auf der Hüfte sitzen und nicht unterm Popo hängen", meint sie scherzend. Manche Aufgabe ist aber auch für Esther von Witzleben-Heuer noch eine Herausforderung. Eurythmielehrer Böhm möchte zum Beispiel eine Schülergruppe zum Thema „gute alte Bekannte" ausstatten. Da braucht man wohl eine Menge Erfahrung, um dieses Stichwort mit wenigen Mitteln in ein Kostüm umzusetzen.

Schöne alte Klamotten

Seit 45 Jahren exisitiert der Fundus nun schon, früher kamen viele Stücke aus Restbeständen der Oper, heute sind es Spenden oder Fundstücke vom Flohmarkt. Besonders stolz sind die Lehrerinnen auf stilechte Einzelteile, wie die burgundische mittelalterliche Haube. Immer schwieriger wird es dagegen mit Schuhen, denn mittlerweile tragen alle nur noch Turnschuhe. Gute Halbschuhe, Sandalen, Kinderschuhe aus Leder gibt es kaum noch.

Wer also gute alte Stoffe, Uniformen, Anzüge, Kleider, Schmuck oder Schuhe besitzt und abgeben möchte, ist jederzeit willkommen.

Spenden bitte an die Handarbeitslehrerinnen, im Altbau über der Schulbüro im ersten Stock.
Frau Hermine Hefft, Ingeborg Petersen, Doris Kleiner, Esther von Witzleben-Heuer

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