„Durch ihre Präsenz erleben die Kinder das Zusammenleben mit den Bienen als Normalität und entwickeln erst gar keine Angst vor ihnen", erklärt der Gartenbaulehrer Manfred Oetting, der seit sieben Jahren an der Waldorfschule Hannover-Maschsee unterrichtet. Ihm ist es vor allem wichtig, dass die Bienen einfach da sind.

Manfred Oettinger bei der Arbeit

Eine Ansicht, die immer mehr Waldorfschulen in Deutschland inzwischen teilen: laut einer Umfrage des BdFWS haben 43 Schulen derzeit Bienen auf dem Schulgelände oder planen, in naher Zukunft Bienenvölker anzuschaffen. Dies ermöglicht den SchülerInnen, z.B. im Rahmen des Gartenbauunterrichts, Umgang mit den sensiblen und so vorbildlich organisierten Tieren, was die ökologische Erziehung vervollständigen kann (siehe auch Kurzfilm 'Ökologische Erziehung').

Ein Rahmen mit Waben wird herausgezogen

Agrarwissenschaftler und Gärtner Oetting, der erst spät seine Ausbildung zum Waldorflehrer gemacht hat, geht schon mit Kindergartenkindern und Erstklässlern regelmäßig direkt zu den Bienen hin, öffnet ein Volk und lässt die Kinder nur schauen – das Staunen kommt dann ganz von selbst. „So lernen schon die Kleinen in direkter Anschauung, was sie bisher nur aus Büchern wie ‚Kleine Biene Sonnenstrahl' kennen", berichtet der 61-Jährige begeistert. Sein Wissen gibt er jetzt parallel an eine junge Kollegin weiter, die in Zukunft im Unterricht auch mit den SchülerInnen das aufwändige Honigschleudern durchführen möchte. Mit seinem 10-Stunden-Deputat kann Oetting das zeitlich im Moment nicht leisten.

Gewimmel von Bienen

Ein besonderes Anliegen während seines Unterrichts ist es Oetting, die vielfältigen Naturzusammenhänge erlebbar zu machen, denn „die Kinder sind oft weit von der Wirklichkeit entfernt, leben stärker in einer virtuellen Welt und wissen nicht mehr, wie zum Beispiel eine Möhre wächst, oder dass ein Apfel vom Baum stammt und aus einer Blüte entsteht, die zuvor eine Biene bestäubt haben muss", erläutert der Gartenbaulehrer. So entstehe ein mangelnder Selbstbezug, verbunden mit einem wenig positiven Gefühl zum Tätigsein und zum eigenen Körper.

Wabengebilde aus der Nähe

So erfüllen die Erfahrungen mit Bienen also auch eine zentrale pädagogische Aufgabe, wenngleich die honigsammelnden Insekten in erster Linie ökologische Wichtigkeit besitzen. Der Flugradius der Bienen liegt zwischen einem und drei Kilometern: „Sie sind also auch über den Schulgarten hinaus für das Bestäuben vieler Blüten von großer Bedeutung", sagt Manfred Oetting, der mit Freude den neuen Trend zur Stadtimkerei beobachtet, obwohl das zeit- und arbeitsaufwändige Hobby nicht mehr in unsere schnelllebige Zeit zu passen scheint.

Quelle: Bund der Freien Waldorfschulen - Newsletter September 2014

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