„Beim Lesen stellt man sich alles selbst vor“: Béla Schürmann (11) geht in die 6b. Er liest sehr gerne und hat bereits die ersten drei Stufen des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels für sich entschieden. Im Interview erzählt Béla, warum er gerne liest und vorliest, welche Bücher er mag und welcher Ort ihm der liebste zum Lesen ist.

Béla, wie ist es dazu gekommen, dass Du an einem Vorlesewettbewerb teilgenommen hast?
„Unser Lehrer, Herr Vagt, hat das unserer Klasse vorgeschlagen. Erst haben wir alle in der Klasse vorgelesen. Ein Stück, aus einem Buch, das wir kannten und einen unbekannten Text. Da haben dann Josephine und ich gewonnen.“

Und wie ging es dann weiter?
„Unsere Parallelklasse, die 6a, hat auch in der Klasse einen Lesewettbewerb gehabt. Da gab es auch zwei Sieger - einen Jungen und ein Mädchen. Wie bei uns. Wir sind dann gegeneinander angetreten, und da habe ich gewonnen.“

Und dann?
„Dann gab es einen Vorlesewettbewerb mit Kindern von etwas mehr als 20 Schulen aus Hannover-Süd. In der Jury saßen ein Lehrer, eine Buchautorin, eine Buchhändlerin und eine Moderatorin. Drei Minuten musste ich aus einem Buch vorlesen, das ich kannte. Ich habe mir „Dummie, die Mumie - außer Rand und Band“ ausgesucht. Und dann kam noch ein unbekannter Text, den ich so ungefähr zwei Minuten vorlesen musste. Und das habe ich dann auch gewonnen.“

Das klingt, als seist Du selbst etwas überrascht.
„Ja, damit habe ich nicht gerechnet. Das war schon ganz schön überraschend - und toll.“

Und wie geht es jetzt weiter?
„Ich glaube im April ist die nächste Runde in Hannover, anschließend käme dann der Landeswettbewerb im Mai in Osnabrück.“

Na, dann drücke ich Dir die Daumen. Woher kommt das denn, dass Du so gut vorlesen kannst?
Das weiß ich nicht genau. Ich denke, ich habe Übung. Denn ich lese sehr gern, und ich lese meinen jüngeren Geschwistern häufig vor. Ava ist drei. Das sind es eher Bilderbücher mit wenig Text, aber Leander, der ist fünf, da lese ich richtig vor.“

Verrätst Du uns das Geheimnis eines guten Vorlesers?
„Man muss langsam lesen. Viel langsamer, als wenn man für sich still liest. Meine Eltern sagen mir oft: ,Nicht so schnell, Béla’, wenn ich Leander und Ava vorlese.“

Woher bekommst Du Tipps für gute Bücher?
„Von meiner Mutter, meinen Freunden und der Buchhändlerin.“

Welche Bücher magst Du am liebsten und was liest Du zurzeit?
„Ich mag die Reihe Warrior-Cats. Die ist sehr spannend. Da muss man immer weiterlesen. Und jetzt habe ich gerade drei neue Bücher von Roald Dahl, ,Charlie und die Schokoladenfabrik’ und ,Matilda’, und das ,Austauschkind’ von Christine Nöstlinger, bekommen.

Das ist ja ganz schön viel auf einmal…
„Ja, aber manchmal lese ich auch nur ein paar Seiten von einem Buch und lege es dann weg und lese erst einmal ein anderes. Oder ich lese es dann doch weiter. Ich muss ja schauen, ob mir das Buch gefällt.“

Und wie versucht Du im Vorherein rauszufinden, ob eine Geschichte Dir zusagt?
„Ich lese den Klappentext und immer auch ein paar Seiten irgendwo im Buch. Ich muss ja sehen, ob ich mag, wie es geschrieben ist. Ich mag spannende und lustige Bücher - aber nicht übertrieben lustig. Ernst ist auch ok, aber traurige Geschichten mag ich nicht so.“

Hast Du auch schon einmal einen Film bzw. eine Verfilmung eines Buches gesehen?
„Ja, ich habe einige Filme von Harry Potter gesehen, nachdem ich die Bücher gelesen habe. Aber ich finde das nicht so gut. Die Filme sind zwar gut, aber man stellt sich ja beim Lesen alles selbst vor, wie Hogwarts aussieht und so. Und im Film ist dann meist alles anders.“

Lehrer und Eltern wollen ja immer, dass Kinder lesen. Aber manche Kinder lesen nicht gern. Weißt Du warum?
„Nein, ich lese total gern. Ich gucke aber auch selten fern und habe keinen Computer oder Playstation. Wenn man das viel macht, hat man vielleicht keine Zeit mehr zum Lesen. Neulich habe ich bei einem Freund mit der Playstation so ein Fußballspiel gespielt. Ich habe mich hinterher total gewundert, wie spät es schon ist und wieviel Zeit vergangen ist.“

Wenn Du schmökerst, was ist Deine liebste Leseposition – am Tisch, auf dem Fußboden, Sofa oder Bett?
„Ich liege beim Lesen am liebsten auf dem Bauch im Bett.“

Interview: Julia Pennigsdorf

Zusätzliche Informationen